Grün für die dunklen Ecken
Die meisten Klagen über schattige Gartenecken beruhen auf einem Missverständnis: Man versucht dort, einen Sonnengarten mit weniger Licht zu führen — und erntet kümmernde Rosen und lückigen Rasen. Der Schattengarten ist aber keine dunklere Version des Sonnengartens, sondern ein eigenes Genre mit eigenen Stars: Blattschmuck statt Blütenmasse, Texturen statt Farben, Ruhe statt Feuerwerk. Sein Vorbild ist der Waldrand — der vielleicht eleganteste Lebensraum, den die Natur zu bieten hat.
Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen feuchtem und trockenem Schatten. Feuchter Schatten — Nordseite, tiefgründiger Boden — ist dankbar: Funkien, Astilben, Farne wachsen dort fast von allein. Die Königsdisziplin ist der trockene Schatten unter grossen Bäumen und Dachvorsprüngen, wo Wurzeldruck und Regenschatten zusammenkommen. Dort bestehen nur Spezialisten: Elfenblumen, Bergenien, die Balkan-Storchschnabel-Sorten — Pflanzen, die man einmal richtig etabliert und dann in Ruhe lässt.
Und die Farbe? Kommt aus dem Licht selbst. Weisse und hellgelbe Blüten, panaschiertes Laub und helle Blattunterseiten leuchten im Halbdunkel wie kleine Lampen — dieselben Töne, die im Sonnenbeet verblassen, tragen im Schatten den ganzen Raum.
