Brunnen, Rinne, Spiegel
Wasser spielt im Garten drei sehr verschiedene Register. Das erste ist der Klang: Ein plätschernder Brunnen ist das wirksamste Mittel gegen Strassenlärm — nicht weil er ihn übertönt, sondern weil er ihm ein näheres, freundlicheres Geräusch vorlagert, an dem sich das Ohr festhält. Das zweite ist die Bewegung: Eine Rinne oder ein Quellstein bringen Leben in statische Flächen. Das dritte, unterschätzteste, ist die Stille: Ein dunkler Wasserspiegel verdoppelt Himmel und Bäume und bringt eine Ruhe in den Garten, die kein anderes Element erzeugt.
Welches Register passt, entscheidet der Ort. Der Klang gehört in die Nähe des Sitzplatzes, wo er wirkt; die Bewegung an Wege und Übergänge; der Spiegel dorthin, wo es etwas zu spiegeln gibt — eine schöne Baumkrone, den Abendhimmel, eine Mauer. Und der Massstab zählt: Ein kleiner Trog in einem grossen Garten wirkt verloren, eine grosse Anlage in einem kleinen Hof erdrückend. Im Zweifel gilt die alte Regel: lieber ein Element richtig als drei halb.
Technisch sind alle drei Register erfreulich einfach: Ein geschlossener Kreislauf mit Reservoir und Umwälzpumpe genügt, Frischwasseranschluss braucht es nicht. Wichtig sind nur drei Dinge — ein Stromanschluss am richtigen Ort, ein Überlauf für den Starkregen und die Winterfrage: Pumpe raus, Wasser ablassen oder frostsicher durchlaufen lassen. Wer das beim Bau mitdenkt, hat danach ein Element, das jahrzehntelang mit einer Stunde Pflege im Jahr auskommt — und nebenbei Vögeln, Insekten und Igeln die wichtigste Tränke des Quartiers stellt.
