Vom Rasen zur Wiese
Der häufigste Fehler beim Traum von der Blumenwiese ist Ungeduld mit dem falschen Werkzeug: Man streut eine bunte Samenmischung in den bestehenden Rasen und wundert sich, dass nach zwei Monaten alles aussieht wie vorher. Der Grund ist banal — auf nährstoffreichem Boden gewinnen immer die Gräser. Wiesenblumen sind Hungerkünstlerinnen: Sie brauchen mageren Boden, offene Erde und Licht. Ohne Magerkeit keine Margeriten.
Wer es ernst meint, wählt deshalb eine Teilfläche — die sonnigste, magerste Ecke des Gartens — und beginnt dort von vorn: Grasnarbe abtragen, bei fettem Boden mit Sand abmagern, dann eine Schweizer Wildblumenmischung aus regionaler Herkunft ansäen. Es muss nicht der ganze Rasen sein. Die Kombination aus kurz gemähtem Wegrasen und blühender Wiese ist sogar die schönste Lösung: Sie zeigt, dass die Wildheit gewollt ist.
Und dann: Geduld. Im ersten Jahr sieht eine echte Wiesenansaat unordentlich aus — einjährige Pionierblumen, dazwischen viel Grün. Die Stauden, die die Wiese tragen werden, kommen im zweiten und dritten Jahr. Wer im ersten Sommer aufgibt, gibt genau dann auf, wenn es anfängt.
Zweimal im Jahr — aber richtig
